iStock_000002311855SmallIn der letzten Woche musste ich aufgrund meines Zivildienstes für eine Schulung nach Spiegelau in den Bayrischen Wald reisen.

Wie für Schulungen in diesem Bereich üblich bekam ich von meiner Dienststelle zugesichert, dass die Fahrtkosten übernommen werden. Als ich kurz vor meiner Abreise allerdings noch einmal genauer nachfragte, stellte sich heraus, dass mit Kostenübernahme nur die jeweils günstigste Reisemöglichkeit gemeint war. In meinem Fall war dies die Zugfahrt mit dem Bayernticket.

Natürlich hätte ich bevorzugt mit dem Auto die etwas über 200 Kilometer Wegstrecke angetreten, da ich so unabhängiger und schneller sein könnte, doch der Preisunterschied und die hohen persönlichen Kosten führten dann doch dazu, dass ich am Abreisetag um 7 Uhr morgens an unserem kleinen Bahnhof stand und auf den ersten Zug nach München wartete. Von München aus ging es recht schnell und komfortabel im kaum besetzten Regional Express weiter nach Landshut und Plattling am Zusammenfluß von Isar und Donau.

In Plattling hatte ich eine Wartezeit von etwa 30 Minuten, die ich mit einem kleinen Frühstück in der Bahnhofsgaststätte verbrachte und wenig später konnte ich auch schon nach Spiegelau weiterfahren. Mir war bekannt, dass Spiegalau etwas abgelegen ist, aber am Bahngleis bekam ich doch erst einmal einen Schrecken. Der “Zug” oder die Waldbahn, wie sie auf dieser Strecke treffenderweise genannt wird, bestand nur aus zwei entgegengesetzt zusammengekoppelten Regional-Loks mit kleinem Personenabteil. Dank der vielen Zivis, die an diesem Tag auf dem Weg nach Spiegelau waren, füllte sich der kleine Zug bis auf den letzten Platz und schon ging es los…

Kurz nach Plattling begann die Strecke in den bayrischen Wald überzugehen, nur noch selten war an den Seiten ab und zu ein kleines Dorf zu erspähen. Die meiste Zeit fuhren wir durch dichte und unbewohnte Waldgebiete. Die Strecke an sich ist sehr alt und befindet sich in einem recht überholungsbedürftigen Zustand. Kaum einmal fuhr der Zug längere Zeit geradeaus sondern mühte sich in langen und großen Bögen die Steigungen im bayrischen Wald Bergauf.

Nachdem wir die Kreisstadt Grafenau passiert hatten waren auch die letzten “normalen” Fahrtgäste ausgestiegen und der Zug war nur noch von uns Zivis besetzt. Nach Grafenau folgten die Gleise erst einen kleinen Bach um daraufhin schon bald durch eine tiefe Schlucht weiterzuführen. Unter größter Mühe quälte sich die Lok die Steigung hinauf und der Fels schien uns dabei immer näher zu kommen; Tunnel wechselten sich mit einer Streckeführung direkt neben dem Abhang ab. Noch nie hatte ich den bayrischen Wald von dieser natürlichen Seite aus gesehen. Nach der Schlucht folgte eine weitere Passage tiefstes Waldgebiet um bald auf den nächsten kleinen Dorfbahnhof zu treffen.

Auf der kleinen Lichtung auf der sich das Dorf befand sah ich das erste mal, dass wir durch das ständige Klettern und höher steigen den dichten Nebel im Donautal nun endlich verlassen hatten und es eröffnete sich unter uns eine unglaubliche Aussicht auf den bayrischen Wald, kleine Dörfer und die dichten Nebelschwaden im Tal. Die Strecke wechselte noch ein paar mal zwischen Wald, Lichtung und Dörfern bis wir endlich in Spiegelau unserem Ziel angekommen waren.

Mobile Navigationsgeräte helfen sich auch beim Wandern in abgelegen Regionen zurecht zu finden.

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Kurz vor Spiegelau begann der Lokführer mit ständigem Hupen, da hier die Strecke die Staatsstraße auf kürzester Distanz mehrmals ohne Schranken und Lichtsignale kreuzte. In Spiegelau machte ich mich auf den Weg zur Schule und bemerkte bald im Gespräch mit anderen Zivis, dass ich für die Reise etwa 2 Stunden mehr gebraucht hatte als Leute, die aus dem gleichen Gebiet mit dem Auto gefahren waren, doch dieses mal machte mir die Zeit nichts aus.

Die anderen waren nämlich nur auf der gut ausgebauten Bundesstraße unterwegs gewesen und hatten außer den vielen Bäumen nichts von der Schönheit des bayrischen Waldes erleben können.

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